Bernd Euler-Rolle, Bundesdenkmalamt Österreich, und Bernd Vollmar, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege - wiki commons

Landeskonservator Dr. Bernd Vollmar im Ruhestand

Dr. Bernd Vollmar, 1951 geboren in Nürnberg, hat im Frühjahr 2017 seinen beruflichen Werdegang beendet und ist in den wohl verdienten Ruhestand getreten.

In seiner Person trafen sich in glücklicher Kombination Praxis und Theorie. Nach einer Lehre als Bauzeichner studierte er zunächst Architektur an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule in Nürnberg und erlangte den akademischen Grad eines Dipl. Ing. (FH). Angeschlossen hat sich das Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie und Neueren Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen, Promotion zum Dr. phil. mit der Dissertation zur Architekturtheorie der Zeit um 1700.

Nach Zwischenstationen als Werkstudent bei der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Nürnberg und einem Studienaufenthalt in Rom wurde er zunächst Mitarbeiter in einem Architekturbüro. Seit seinem Dienstantritt beim Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege im Jahre 1983 war er bis 1996 Gebietsreferent und durchlief anschließend die Karrierestufen: 1996–2002 Abteilungsleiter der Abteilung Praktische Bau- und Kunstdenkmalpflege für Nordbayern, 2002–2017 Abteilungsleiter für ganz Bayern, zuletzt Landeskonservator und Stellvertreter des Generalkonservators.

Seine persönlichen Maximen hat er – wie die Begleiter seines Werdegangs bestätigen – in seinem Berufsleben umgesetzt:

  • Denkmalvermittlung gehört zu den Hauptaufgaben des staatlichen Denkmalpflegers, dafür braucht er eine umfassende Kenntnis des Denkmalbestandes (= Grundlage der Fachkompetenz der Denkmalfachbehörde) ebenso wie die Fähigkeit sich in die Situation der Partner, namentlich der Denkmaleigentümer hineinzuversetzen. Dazu gehört letztlich auch die Erkenntnis, dass Denkmalpflege mitunter nicht allein den Nabel der Welt darstellt.
  • Die gebaute Umwelt und damit das historische Erbe nimmt wesentlichen Anteil am menschlichen Lebensraum.
  • Zu den Hauptaufgaben der Führungspersonen gehören die Denkmalvermittlung und die Umsetzung des Denkmalschutzgesetzes nach einem bayernweit einheitlichen Maßstab. Dazu ist es nötig - gemeinsam mit den internen und externen KollegInnen - Standards zu formulieren und in Fortbildungsveranstaltungen zu verbreiten (z. B. bei Fortbildungen des BLfD, der Ingenieure- und Architektenkammer, Handwerkskammern, Universitäten, beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege und Berufsverbänden)

Publikationen:

Zur Öffentlichkeitsarbeit des Denkmalpflegers gehören auch Publikationen. Bernd Vollmar hat sich unter anderem mit folgenden Themen befasst, die seinen weiten beruflichen Horizont und seine Leistungen belegen:

Erforschung und Erhaltung ländlicher, bürgerlicher, adliger und kirchlicher  Architektur, z.B. zur Baugeschichte der Schlösser in Friedberg und Leitheim, zu jüdischem Kulturerbe wie den Synagogen in Hainsfarth und Binswangen, zur Heilig-Grab-Kapelle und zum ehem. reichsstädtischen Kaufhaus des Elias Holl in Augsburg, zum Kurhaustheater in Augsburg-Göggingen, zum Merkur-Brunnen, zu Brückenkonstruktionen, zur Baukultur der Nachkriegszeit (Die Erotik der Fuge).

Stets fanden sein Interesse die Grundfragen der Denkmalpflege wie Sehgewohnheiten bei Fassadenbefunden, die Erhaltung von Hauslandschaften wie der Pfarrhäuser in Schwaben und des Waldlerhauses, das alte Thema Restaurator kontra Künstlerrestaurator und Künstlerkonservator?, die Systematik des Nördlinger Bürgerhauses, die vermeintliche Verhinderung des Fortschritts – Erfahrungen mit Vorurteilen gegen die Denkmalpflege(r), die Vanitas in Beton – die Tomba Brion von Carlo Scarpa und die Vergänglichkeit, Grundsatzfragen der Denkmalpflege wie der Wiederaufbau bis Spätmoderne: Wertewandel, aktueller Stand, Tendenzen, der Umgang mit Großbauten (u.a. BMW-Hochhaus als Denkmal – Entstehungs- und Veränderungsprozesse).

Zunehmend und deutschlandweit führend erforschte er das Thema Denkmalpflege und Energieeffizienz. Beispielgebend sind seine Beiträge zur energetischen Nachbesserung am Beispiel einer barocken Klosteranlage.

Beteiligt war er u.a. an Kunstführern zu Augsburg und Bayerisch Schwaben, an der Denkmaltopographie der Stadt Nördlingen, an der Nachkriegsarchitektur in Bayern.

Eine Gesamtschau bietet sein Schriftenverzeichnis (PDF zum Download)

Das Denkmalnetz Bayern wünscht Herrn Dr. Vollmar einen erfüllten Unruhestand im weiten Interessenbereich von Denkmalschutz und Denkmalpflege.

Dieter Martin
20. August 2017

Veröffentlicht am: 31.03.2017